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Von Gogo

Nothing compares to you

By Von Gogo

An den Moment, an dem Stöff zum ersten Mal in meinem Leben auftauchte, kann ich mich noch genau erinnern. Ich war 15, war kürzlich von Maur nach Meilen gezogen, war neu da und umgeben von Jugendlichen, die sich seit früher Kindheit kannten. Ich war etwas entwurzelt und unsicher in dieser Zeit. Nach einem Match oder nach einem Training muss es gewesen sein, als der junge Stöff noch auf dem Fussballplatz als Zuschauer auf mich zukam, mich mit seinen strahlend blauen Augen und einem breiten Grinsen ansprach. Keine Ahnung mehr worum es ging. Aber in seiner unnachahmlichen leichten und fröhlichen Art auf Menschen zuzugehen, gab er mir zu spüren, dass er mich toll fand und mich mochte. Ich spürte schon damals, was uns während all der folgenden Jahre verband. Seine Zuneigung, seine ihm eigene, offene Art auf Menschen zuzugehen und diese Wärme und Geborgenheit, die von ihm ausging. Unvergleichlich.

Es dauerte aber noch einige Jahre, bis wir uns wirklich fanden. In Küsnacht, wo er in der Lehre ging und ich im Gymi war, kreuzten sich unsere Wege ab und zu. Erst als wir beide in der gleichen Mannschaft spielten, begann sich unsere Freundschaft zu zementieren. Mehr neben als auf dem Fussballplatz. Die «wilden Jahre» begannen. Mit Stöff in den Ausgang zu gehen war immer grossartig. Man wusste nie was dabei herauskommt und wie es enden wird. Unzählige Parkette, über die er – in seiner unvergleichlichen Art zu tanzen – schwebte und die Leute um ihn herum ansteckte mitzufeiern, meist bis der Club zumachte. Unvergessliche, durchtanzte Nächte. Beispielsweise als wir mit Martin an eine «illegale Party» an der Pfingstweidstrasse gingen. Obwohl die Räumlichkeiten schimmlig und wir eigentlich fast die einzigen waren, tanzten wir durch, bis die Sonne aufging und sie uns rauswarfen. Martin war seit längerem im Auto am Schlafen. Jeder andere wäre längst nach Hause gefahren, aber Martin hat treu auf Stöff gewartet. Gemeinsam liessen wir den Abend mit einem Sprung in die kalte Limmat ausklingen. Wenn ich heute durch die Stadt laufe, kommen an zahllosen Orten schöne Erinnerungen an Stöff hoch und zaubern mir ein Lächeln ins Gesicht. Stöff hatte etwas Magisches an sich, etwas Unvergleichliches.

Alle in meinem Freundeskreis und meiner Familie mochten Stöff. Einzige Ausnahme war Karinas Katze, Shiva, der sich durch Stöffs Schnarchen auf der Gästematratze in seinem Reich gestört fühlte und ihm sehr lange ins Ohr miaute, damit er mit dem Lärm aufhöre. Natürlich war er damit nicht erfolgreich. Stöff war übrigens auch an dem Abend mit mir im Ausgang, als ich Karina kennenlernte. Wer weiss, ob ich ohne ihn den Mut gehabt hätte sie anzusprechen. Ich kann mich auch gut daran erinnern, als Stöff frisch verliebt mit Barbara zum ersten Mal bei uns zu Hause vorbeikam. Wir hatten einen sehr schönen Abend zusammen und schon bald darauf erzählte er mir überglücklich, dass er Vater werde. Kinder zu haben war für ihn als absoluter Familienmensch das schönste überhaupt und er platzte fast vor Stolz, als er mir Ennio und später dann Mona zum ersten Mal vorstellten konnte. Ich habe die Ehre erhalten Götti von Ennio werden zu dürfen. Ein weiterer Ausdruck seiner Zuneigung und unserer Freundschaft. In unseren «Familienjahren» sahen wir uns dann leider nicht mehr so regelmässig. Aber egal wie lange es seit dem letzten Treffen her war, es war immer, als hätten wir uns eben erst tags zuvor gesehen. Immer die gleiche Zuneigung, Wärme und Geborgenheit. Als gäbe etwas Unsichtbares, was uns verband. Unvergleichlich.

Während der Coronazeit sahen wir uns nur ein einziges Mal. Diese Weihnachten verpassten wir uns knapp, als Stöff und Ennio spontan vorbeikamen, um mir Ennios Weihnachtsgeschenkt vorbeizubringen. An meinem Geburtstag, war er der Erste, der mir gratulierte und sich bei mir für die langjährige Freundschaft bedankte. Da ich gerade auf dem Sprung war, schrieb ich ihm nur kurz zurück, bedankte mich auch für seine Freundschaft und schrieb, dass er so oder so immer einen festen Platz in meinem Herzen haben werde. Ich war mich sicher, dass wir uns bald darauf treffen und auf alles, was wir verpasst hatten anstossen werden können. Leider kam es nicht mehr dazu. Aber ich bin froh, dass ich es ihm noch schreiben konnte und dass er wusste, dass ich mit ihm immer, auch nach seinem Tod, fest verbunden sein werde. Ich hätte mir gewünscht noch einen langen Weg mit Stöff haben zu dürfen. Wir witzelten manchmal schon über unsere Gebrechen und lachten, als wir feststellten, dass wohl aus der Teilnahme an einem Survivalcamp nichts mehr werden würde. Als ob wir das jemals gemacht hätten. Aber der Gedanke zusammen einmal alt zu werden, gemeinsam auf unsere Enkelchen aufzupassen und dabei über gute alte Zeiten zu philosophieren, wäre wirklich schön gewesen.

Jetzt bist Du nicht mehr unter uns lieber Stöff und Dein Verlust für uns alle ist unbeschreiblich. Ich bin unglaublich dankbar, dass Du Teil meines Lebens warst. Deine Zuneigung, diese Wärme und Geborgenheit, die Du mir seit dem ersten Tag geschenkt hast, bleibt auch nach Deinem Tod. Das ist unvergleichlich. Du lieber Stöff warst unvergleichlich. Nothing compares to you…